Next Level in Ecuador
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In letzter Zeit war es etwas stiller geworden um die U18. Es fehlte die Zeit für Berichterstattungen, das Jahr 2026 jagte schon wieder in einem Tempo dahin, welches viele Dinge, die eigentlich schön wären, unmöglich machte. Auch wenn der Judo-Herbst an unseren Schreibtischen zerrt, ist jetzt eindeutig der Zeitpunkt gekommen, an welchem wir euch eine Eilmeldung präsentieren wollen:
++++ Jolina Reinhold vom TSV Abensberg ist Weltmeisterin der Kadetten ++++
Der Start in die Saison war etwas holprig und geprägt von kurzfristigen Notlösungen, die sich wie es aussieht jedoch zu einem mehr als nur vorzeigbaren Ergebnis mauserten!
Nach kurzfristig vom BJV organisiertem Jahresauftakt beim ITC in Linz mit dem Bayernkader (man wähnte eigentlich eine DJB-Maßnahme 😉) fielen für die U18 die Dutch Open nicht ins Wasser, aber in den Schnee. Aufgrund der extremen Wetterverhältnisse entschied man sich schweren Herzens zu Hause zu bleiben. Für Jolina ging es dann eben schnell für ein paar Tage zum OTC in Mittersill und dann auf den Sparkassenpokal in Jena – der Test der neuen Gewichtsklasse bis 63kg stand an. Bestanden: 4 Siege, 0 Niederlagen, Goldmedaille. Für den internationalen Test banden wir Jolina kurzerhand Donat Müller ans Bein, der zusammen mit Radu und seinem Team der U21 ein Turnier der Junioren und Erwachsenen in Prag kämpfte. 3 Siege, 0 Niederlagen, Goldmedaille. Weiter ging es mal eben kurz mit zwei Deutschen Meistertiteln. U18: 5 Siege, 0 Niederlagen, Goldmedaille. U21: 5 Siege, 0 Niederlagen, Goldmedaille.
Weiter ging es auf internationalem Parkett. Die Qualifikation und Vorbereitung auf eventuelle Höhepunkte wurden aufgeteilt: U18 EC in Teplice - 4 Siege, 1 Niederlage, Silbermedaille und Bielsko Biala - 6 Siege, 0 Niederlagen, Goldmedaille, im internationalen Thüringen Pokal der U21 in Bad Blankenburg - 4 Siege, 1 Niederlagen, Silbermedaille, beim ITC in Lignano und beim EC in Graz - 2 Siege, 1 Niederlage. Die WM-Nominierung für Jolina erfolgte dann beim EC in Berlin, den die junge Abensbergerin aber wegen einer Verletzung ausfallen lassen musste.
Nächster Halt: Abschlussprüfung - kurz ohne Probleme und sehr guten Noten bestanden, aber leider keine Zeit für EM in diesem Jahr.
Dann weiter zum internationalen Turnier in Portugal - 3 Siege, 0 Niederlagen, Goldmedaille. Dann schnell die UWV zur EM der U21 in München absolvieren, bevor es zur eigenen UWV für die WM in Straßburg ging. Danach, kurz zu Hause, sammeln und los ging es mit dem WM-Team des DJB nach Ecuador unter der Leitung von Juan Cuneo, dem Bundestrainer der Altersklasse U18.
Und gestern zündete Jolina ein Feuerwerk:
Erster Kampf gegen die Lokalmatadorin Damaris Paredes Luisataxi aus Ecuador. Jolina lies keine Zweifel daran, dass hier kein Heimvorteil der Welt etwas gegen sie ausrichten könnte. Körpersprache, Mimik, Tempo – wer Jolina kennt, wusste, dass sie voll im Fokus war. Nachdem sie der Gegnerin zwei Shidos aufzwang und mit einer Kombination aus tiefer Technik und Sumi-otoshi ein Waza-Ari erzielte, hielt sie ihre Gegnerin im Anschluss direkt bis zum Ippon im Haltegriff fest.
In Runde zwei traf Jolina auf die Kanadierin Victoria Summers. Dort nutzte die junge Bayerin geschickt eine Situation in der die Gegnerin, um aus der Bodenlage zu entkommen, in den Kniestand kommen wollte. Jolina erzielte mit Tsuri-goshi einen Waza-Ari und konnte anschließend erneut bis zum Ippon festhalten.
Im Poolfinale wartete dann die Usbekin Parizoda Yuldasheva. Rechtskämpferin, schnell, unangenehm, tiefer Schwerpunkt. Jolina kämpfte souverän an der vereinbarten Linie und ließ sich das Heft nicht aus der Hand nehmen. Sie konnte im Stand dominieren, indem sie die rechte Hand der Gegnerin in weiten Teilen aus dem Spiel nahm. Zum Sieg führte Jolinas Spezialtechnik im Boden, „die Gurke“ mit anschließendem Hebel – erneut Ippon!
Damit stand Jolina im Halbfinale gegen die Japanerin Aki Asada, die im Pool A zuvor die Weltranglistenerste Ilaria Tsurkan aus Slowenien, die ohne wirkliche Chance blieb, aus dem Spiel genommen hatte. Dass Jolina keine Angst vor Japanerinnen hat wissen wir, aber brandgefährlich sind sie trotzdem immer. Die Japanerin, selber ebenfalls eine starke Rechtskämpferin, musste schon ziemlich zu Beginn ein Yuko für Uchi-mata hinnehmen. Jolina kämpfte clever und kontrollierte auch in diesem Kampf die rechte Hand der Japanerin mit beeindruckender Konsequenz. Es gab ein paar brenzlige Situationen im Boden bei denen deutlich wurde, dass Jolina genau weiß, wie man gegen die in Ne-waza zumeist übermächtigen Athletinnen aus dem Mutterland des Judo verteidigen muss – gut gemacht! Schlussendlich war es Jolinas „Hubschrauber“, eine Form von Kata-guruma, der sie mit Schwung und einem Waza-Ari ins Finale katapultierte.
Egal wie das Finale gegen die Österreicherin Bleona Rama ausgehen würde, so hatte Jolina gegenüber der Bronzemedaille bei der WM 2024 und dem 7. Platz aus dem Jahr 2025 schon wieder eins draufgesetzt. Die österreichische Athletin kannte Jolina bereits aus dem Finale in Polen. Dort hatte die unangenehme Linkskämpferin ihr erst eine kleine Wertung abgenommen, bevor Jolina sie dann klar mit Yuko und Waza-ari besiegen konnte. Und so sollte es auch gestern sein: mit einem Koshi-guruma und anschließendem Haltegriff beendete Jolina die Begegnung nach nur eineinhalb Minuten Kampfzeit mit Ippon und nahm somit verdient die Goldmedaille mit nach Hause.
5 Siege, 0 Niederlagen, Goldmedaille auf der Weltmeisterschaft 2026: veni, vidi vici – ich kam, sah und siegte – so war es und nicht anders!
Liebe Jolina, wir gratulieren dir zum Titel als U18 Weltmeisterin und zu allem, was du auf dem Weg dorthin geleistet hast!
Gratulation auch an Radu Ivan, den Heimtrainer, der Jolina ausgebildet, geformt und durch alle Höhen und Tiefen begleitet hat, die so eine stetige Entwicklung mit sich bringt.
Danke an alle, die auf dem Weg geholfen haben, den Heimverein TSV Abensberg, die vielen Trainer, die dort mit auf und neben der Matte stehen und an alle, die im Verband am Sportbetrieb vor und hinter den Kulissen mitarbeiten!
Danke auch an Juan Cuneo, der als DJB-Trainer vor Ort, wie bei allen bisherigen Höhepunkten auch, die Steuerung und Coachinglinien mit Radu und mir gemeinsam festgelegt hat und somit den Gedanken des „Team Deutschland“ wirklich lebt!
Weiter geht’s mit den Youth Olympic Games im Oktober/November in Dakkar im Senegal. Deutschland darf nur einen einzigen Judoka entsenden und das ist Jolina Reinhold.
Wir bleiben also dran…
Text: Claudia Straub
Bilder: EJU, Jolina Reinhold, Micha Neugebauer
















