Judo wird Oberstufenfach: Ein Modell mit Potenzial für Bayerns Gymnasien
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Michael Haucke bringt die Sportart Judo in die Profil- und Leistungsstufe der bayerischen Gymnasien – mit Genehmigung des Kultusministeriums und Unterstützung aus dem Bayerischen Judo-Verband.
Judo ist damit nicht nur ein Wahlfach oder freiwilliges Nachmittagsangebot, sondern ein regulärer Bestandteil des Oberstufensports: Diesen neuen Weg geht Michael Haucke am Gymnasium Seligenthal in Landshut. Das Bayerische Kultusministerium hat das Vorhaben genehmigt – und damit eine Möglichkeit eröffnet, die auch für andere Gymnasien interessant sein kann.
Die PuLSt umfasst die Qualifikationsphase der Jahrgangsstufen 12 und 13. Sport muss dort von allen Schülerinnen und Schülern belegt werden: auf grundlegendem Anforderungsniveau mit zwei Wochenstunden oder als Leistungsfach mit zusätzlichen zwei Stunden Sporttheorie. Judo wird nicht lediglich als ergänzende Aktivität verstanden, sondern als sportliches Handlungsfeld innerhalb des regulären Unterrichts auf grundlegendem Anforderungsniveau. Damit erhält die Sportart einen festen Platz im Stundenplan, verbindliche Lernziele und eine nachvollziehbare Leistungsbewertung, die im Rahmen der Einbringungsmöglichkeiten sogar in den ersten Teil der Gesamtnotenberechnung einfließen können. Die rechtliche Grundlage bietet die Bekanntmachung zur Durchführung des Sportunterrichts in den Jahrgangsstufen 12 und 13. Neben den bereits aufgeführten Sportarten können demnach weitere Sportarten im Einzelfall durch das Kultusministerium genehmigt werden. Voraussetzung sind geeignete Übungsstätten und Ausrüstungen, eine qualifizierte Sportlehrkraft sowie eine zusätzliche sportartspezifische Qualifikation.
Mehr als Werfen und Festhalten
Das Unterrichtskonzept verbindet sportliche Ausbildung mit pädagogischen Zielen. Dazu gehören eine sichere Fallschule, Stand- und Bodentechniken, kontrollierte Übungskämpfe sowie Regelkunde und taktisches Verhalten. Hinzu kommen zentrale Werte des Judo: Respekt, Selbstkontrolle, Fairness und Verantwortung für den Trainingspartner. Randori, das freie Üben mit dem Partner, wird als freundschaftlicher und kontrollierter Wettstreit vermittelt. Für die Oberstufe wird dieser Ansatz systematisiert und um Formen der Leistungsbewertung ergänzt. Denkbar sind Technikdemonstrationen, anwendungsbezogene Aufgaben, die Beurteilung von Bewegungsqualität und Handlungssicherheit sowie theoretische Leistungsnachweise. Entscheidend bleibt dabei: Nicht allein der sportliche Erfolg zählt, sondern auch der sichere, faire und verantwortungsvolle Umgang miteinander.
Ein anderer Weg als die klassische SAG
Hauckes Modell unterscheidet sich deutlich von einer Sportarbeitsgemeinschaft, kurz SAG. Eine SAG entsteht üblicherweise im Rahmen des bayerischen Kooperationsmodells „Sport-nach-1 in Schule und Verein“. Sie ist ein freiwilliges Angebot, ergänzt den Pflichtunterricht und wird in Abstimmung mit einem Sportverein organisiert. Der PuLSt-Kurs dagegen ist Teil des regulären, benoteten Sportunterrichts. Er wird von einer Sportlehrkraft der Schule verantwortet und ist in die schulischen Strukturen der Oberstufe eingebunden. Judo erreicht damit auch Jugendliche, die bislang keinem Verein angehören oder ein freiwilliges Nachmittagsangebot nicht besuchen würden. Dieser Weg ist nicht als Konkurrenz zur SAG gedacht. Vielmehr ergänzen sich beide Modelle: Die SAG schafft eine Brücke zwischen Schule und Verein, während das PuLSt-Konzept Judo im verbindlichen Unterricht verankert. Daraus können wiederum neue Kontakte zu örtlichen Judovereinen, Graduierungsmöglichkeiten und langfristige Sportbiografien entstehen.
Verbindung zum Verbandslehrwesen
Für eine Übertragung auf weitere Schulen ist die Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Judo-Verband von besonderer Bedeutung. Eine Schlüsselrolle kann dabei Florian Ellmann übernehmen. Als Lehrreferent des BJV ist er Ansprechpartner für Fragen der Aus- und Fortbildung im Verband. Gemeinsam mit dem Verbandslehrwesen können die Erfahrungen aus dem Unterricht ausgewertet und für andere Schulen aufbereitet werden. Denkbar wären standardisierte Unterrichtsbausteine, Fortbildungen für Sportlehrkräfte, Empfehlungen zur Sicherheit und Leistungsbewertung sowie Beratungsangebote für interessierte Schulleitungen.
Ein Vorbild – aber kein Selbstläufer
Nicht jedes Gymnasium wird Judo kurzfristig in der PuLSt anbieten können. Mattenflächen, geeignete Räume, qualifizierte Lehrkräfte und eine ausreichende Zahl interessierter Schülerinnen und Schüler müssen vorhanden sein. Auch für weitere Standorte wäre jeweils zu prüfen, ob die Einzelfallgenehmigung des Ministeriums ausgesprochen wird. Dennoch zeigt das Konzept von Michael Haucke, welcher Gestaltungsspielraum in der neuen Oberstufe steckt. Schulen können besondere Kompetenzen ihrer Lehrkräfte nutzen, ihr Sportprofil schärfen und jungen Menschen neue Zugänge zu Bewegung eröffnen. Judo in der PuLSt ist deshalb mehr als ein zusätzlicher Sportkurs. Das Modell steht für einen Schulsport, der fachliche Qualität, Persönlichkeitsbildung und schulische Innovation miteinander verbindet. Wenn Schule, Kultusministerium und Bayerischer Judo-Verband diesen Weg gemeinsam weiterentwickeln, könnte aus dem Landshuter Konzept ein Vorbild für zahlreiche Gymnasien in ganz Bayern werden.
Ansprechpartner für Judo in der PuLSt: Michael Haucke, Florian Ellmann
Ansprechpartner für SAG:
Text: Florian Ellmann
Bild: StMUK
