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Was ist eigentlich ein Tambourin? - Sommercamp Inzell 2026

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Artikel & Berichte

Es ist wieder so weit. Das alljährliche Sommercamp in Inzell ging, wie ich auf der Arbeit, mit viel Tamtam über die Bühne.

Die Ankunft verlief wie immer. Die Betreuer wurden angefleht, dass wir doch die Hütten anders aufteilen sollen, einige kamen ohne Bettwäsche an und wieder andere kamen knapp, da sie an einer falschen Bushaltestelle ausgestiegen sind. Unter den Betreuern lief das viel Reibungsloser ab. Die Zimmer wurden aufgeteilt und es wurde einstimmig entschieden, dass eine gewisse Person keinen Schlüssel bekommt. Dreimal dürft ihr raten wer. Die ersten Tage verliefen auffallend ruhig. Es gab keine großen Dramen, auch nicht bei den großen Damen. Wir stellten unser Hobby-horsing Einhorn Tambourin vor, wir besprühten T-Shirts, fünf Betreuer mit der Aufschrift Autorität, einer mit der Aufschrift Tät Tät Tät Auto. Wir trainierten und spielten, auf die Nachtruhe wir schielten. Fast dachten wir schon, wir hätten dieses Jahr nichts zu tun, doch die großen Jungs ließen uns nicht im Stich. Sie wollten abends unbedingt Aufzug fahren. Ihr Fahrstuhlfahrkartenkontrolleur war ein Einhorn Namens Tambourin und fuhr mit ihnen rauf und runter, runter und rauf. Schließlich war einer wie ein niesendes Pferd und hatte die Schnauze voll. Er fragte, sichtlich gezeichnet wie eine Comicfigur: „Was ist eigentlich ein Tambourin?“, woraufhin sein Nachbar hilfreich antwortete: „Ein Einhorn.“ Damit hatte sich das geklärt. Doch die großen Mädls ließen nicht lange auf ihre Antwort warten und boten uns ein wunderbares Standbild, dass das gemeinschaftliche Miteinander und die fortschrittliche Entwicklung unserer Zeit darstellte. Außerdem hatten sie Nudeln. 

Aber wir machten natürlich auch etwas für ihre sportliche Weiterbildung. Montag und Mittwoch gab es einen Tanzkurs, wobei es bei der Größe der Teilnehmer eher ein Tanzkurz, bei manchen sogar ein Ganzkurz war. Aber weit über die Hälfte machte hier mit, denn sie erkannten bald, tanzen macht Spaß und hilft fürs Judo. Immerhin heißt es ja Rhytmuss und nicht Rhytvielleicht. Am Mittwochabend gab es dann auch das berüchtigte „Spiel ohne Grenzen“, was immer ein Haufen Spaß ist und für uns die Disco ersetzt hat, denn es gab gute Laune Punkte und hallo du Waldfee, wollten unsere Kids diese Punkte haben. Während andere Mannschaften sich etwas anbrüllten, bauten unsere Kids menschliche Pyramiden oder packten ihre neugewonnen Paartanzkünste aus. Es wird gemunkelt, manch einer schmetterte sogar einen Wiener Walzer. So ein Schmetterer. Aber er war nicht sonderlich groß. Ein Schmetterling also. Das Ergebnis: Die großen Jungs erster, die großen Mädls dritte. Fantastische leistung! Belohnung: Caprisonne.

Dienstag 22:02 – Kinder werden außerhalb ihrer Hütte erwischt – ein Verstoß!

Dienstag 22:03 – Kinder laufen panisch weg

Dienstag 22:04 – Kinder werden gefasst

Dienstag 22:05 – Kinder beginnen Duschparty um ihrer Strafe zu entgehen

Dienstag 22:30 – Nachtruhe für besagt Kinder

Dienstag 22:34 – Die Duschparty ist vorbei

Dienstag 22:35 – Betreuer halten Kriesenrat

Dienstag 22:40 – Aufzugspiel beginnt

Dienstag 23:00 – Aufzugspiel endet für die letzten

Mittwoch 7:00 – Es gibt Frühsport – für die Übeltäter

Donnerstag 7:00 – Es gibt Frühsport - für alle

Donnerstag 7:30 – Die Betreuer bereuen den Frühsport, denn den großen Jungs hats gefallen und die wollen am nächsten Tag nochmal, die Betreuer wollen aber nicht früh aufstehen

Donnerstag 8:30 – Ein Deal wird geschlossen: Die Jungs machen eine Tanz-Choreo und dürfen dafür Frühsport machen. (Mal im Ernst, das is doch der dümmste Deal aller Zeiten oder?)

Freitag 7:00 – Sie bekommen ihren Frühsport

Freitag 19:25 – 5 jugendlich Jungs tanzen in pinken Bademänteln Bye Bye Bye von Nsync vor allen anderen Judoka und einigen Betreuern aus anderen Sportarten

Nicht zu vergessen: Der Pool. Der Pool war wie jedes Jahr heiß begehrt und kalt beschert. Der is ja auch ned beheizt. Kinder warfen Betreuer ins Wasser, Betreuer warfen Kinder ins Wasser. Bis sich eine ausgeklügelte Taktik entwickelte, wo man sich so sehr an der Metallzaunabsperrung festklammert, dass es ein halbes Rugbyteam, fünfunddreißig Packen Butter und eine Kreissäge gebraucht hätte, um die Kids da wegzubekommen. Oder eben zwei motivierte Betreuer. Judo haben wir übrigens auch gemacht. War toll. Donnerstag kam dann noch ein Quadrat an und hat allen Verletzungspräventive Übungen und Tapen beigebracht und anschließen gab es ein Rave Randori und in der anderen Halle das Schlager Scharmützel. Tatsächlich müssen wir Betreuer sagen, dass wir selten so ein Camp hatten, wo die Teilnehmer so gut mitgemacht haben und sich untereinander so gut verstanden haben.

Zum Abschluss ein Gedicht:

Ein Junge lacht so klar und hell

Muss jeder hinsehn und zwar schnell

Er beugt sich vor, wie für Applaus

Geleitet wie von Rädchen

Ist voll süß die kleine Maus

Drum klatschen alle Mädchen

 

Text: Daniel Haucke (ein Betreuer?)

Bild: Jonas Ludwig