Prävention von sexuellem MissbrauchWie weiter mit dem Thema?Die Serie von öffentlich gemachten Missbrauchsfällen hat es gezeigt: Die Prävention von sexuellem Missbrauch ist ein wichtiges gesellschaftliches Thema. Aber wie können wir im BJV mit dem Thema weiter vorankommen? Wie erreichen wir einen besseren Schutz der Kinder vor Tätern? Es ist schon erstaunlich: Da jagt ein Missbrauchsskandal den anderen, von Passau über verschiedene katholische Einrichtungen bis hin zum nebulösen Fall Amerell. Und was machen unsere Medien? Sie berichten bemerkenswert sachlich und versuchen, über die Ursachen von Missbrauch nachzudenken und aufzuklären.
Eigentlich müsste man nur alle geschriebenen Artikel sammeln und hätte ein hervorragendes Aufklärungsbuch beisammen. Doch hilft uns im Bayerischen Judo-Verband das weiter? Kommt nicht der praktische Aspekt zu kurz, also die Frage, wie man sexuellem Missbrauch im Sport vorbeugen kann? Vielleicht ist genau dort der Ansatzpunkt für uns Judokas.
Fernab von Betroffenheit, Aktionismus oder Hysterie sollte der BJV ein Instrumentarium verschiedener Mittel entwickeln, um den Themenkomplex aufzugreifen und ins Bewusstsein seiner Sportler, Trainer und Funktionäre zu bringen - und dort zu halten.
Wie kann das aussehen?
- Stetige Information zu Themen rund um die Prävention von Missbrauch; die Information (mündlich und schriftlich) sollte sowohl im Internet als auch bei Verbandsveranstaltungen erfolgen; natürlich auch per E-Mail
- Fortschreibung der Leitlinien (Selbstverpflichtung) für Trainer und Funktionäre des BJV; Bereitstellung solcher Selbstverpflichtungen auch für die Vereine
- Erstellen verbindlicher Regeln für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen
- Bereitstellen von Informationen für Kinder und Jugendliche in einer altersgemäßen Sprache; Austeilen bei Lehrgängen und Turnieren; Infoblöcke bei BJV-Lehrgängen
- Einarbeitung in das Regelwerk des BJV, besonders Satzung und Jugendordnung
- Verpflichtung der Einhaltung mit Unterschrift (auch der jugendlichen Teilnehmer!), schriftlicher und mündlicher Hinweis auf Konsequenzen
- regelmäßige Informations- und Präventionsveranstaltungen auf allen Ebenen des Verbandes (Funktionäre, Trainer, Eltern, Kinder, Jugendliche)
- Fortbildungen zum Thema
- Auswahl einer BJV-unabhängigen Stelle, die bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch kontaktiert werden kann
- Erarbeiten von Handlungsrichtlinien für den Verdachtsfall
- Erarbeiten von Richtlinien zum Schutz vor falschen Verdächtigungen
Denkbar sind natürlich noch mehr Maßnahmen, aber die sollen die zuständigen Funktionäre beschließen.
Da wir Judokas nicht die Ersten sind, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen, können wir getrost auf schon Erarbeitetes zurückgreifen. Zu nennen sind da an vorderster Stelle die umfangreichen und informativen Materialien des Bayerischen Jugendringes und seiner Organisation PräTect und die Materialien des Deutschen Ju-Jutsu Verbandes (nicht-mit-mir.org) und dort besonders die Broschüre zur Prävention von sexuellem Missbrauch.
Auch die BayernJudo-Redaktion wird sich beteiligen. In unregelmäßigen Abständen sollen „Denkanstöße“ erscheinen. In diesen sollen verschiedene Begriffe rund um die Prävention von sexuellem Missbrauch aufgegriffen und diskutiert werden. Aber ohne Anspruch auf die endgültige Wahrheit, sondern wirklich als Denkanstoß für jeden Leser und als Grundlage für die Diskussion mit anderen. Wer selbst einen Denkanstoß schreiben möchte, ist herzlich eingeladen. Einfach schreiben und an die Redaktion senden. Ebenso sind Diskussionsbeiträge zu den Denkanstößen ausdrücklich willkommen. Wir veröffentlichen sie, gerne auch anonym.
Der erste „Denkanstoß“ wird sich mit dem Problem der Grenzverletzung beschäftigen.
Weitere Informationen zum Thema:
Bayerischer Jugendring (BJR) - PräTect
Umfangreiches Material zum Download: http://www.praetect.de/?page_id=10
Deutscher Ju-Jutsu Verband - Nicht mit mir!
Gert Langrock BJV-Presseteam |